Es gibt Momente im deutschen Fernsehen, die schnell wieder vergessen sind. Und es gibt Momente, die wie ein greller Blitz die gesamte Landschaft erhellen und Dinge sichtbar machen, die viele lieber im Dunkeln gelassen hätten. Was sich aktuell rund um die ZDF-Sendung von Markus Lanz abspielt, ist mehr als nur ein missglückter Talkshow-Moment. Es ist, wie Kritiker und Beobachter nun lautstark anmahnen, ein Symptom für eine tiefgreifende Krise der Glaubwürdigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die “Affäre Günther” hat sich rasend schnell zur “Affäre Lanz” gewandelt – und die Folgen sind noch gar nicht absehbar.
Der Auslöser: Eine Verbotsforderung zur besten Sendezeit
Alles begann mit einem Auftritt von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Vor laufender Kamera und einem Millionenpublikum äußerte er sich zu dem Medienportal “Nius”. Seine Aussage wurde von vielen Zuschauern und Kommentatoren eindeutig verstanden: Er forderte faktisch ein Verbot oder zumindest ein hartes Vorgehen gegen das Portal, weil es ihm politisch zu weit “rechts” stehe. Ein solcher Eingriff in die Pressefreiheit durch einen hochrangigen Politiker wäre in jeder funktionierenden Demokratie ein gewaltiger Skandal. Doch bei Lanz blieb der große Aufschrei zunächst aus – zumindest im Studio.

Die Welle der Empörung rollte erst danach los. Das Portal “Nius” reagierte, soziale Medien kochten über. Die Frage stand im Raum: Darf ein Ministerpräsident unliebsame Medien einfach verbieten wollen?
Der Vorwurf: Manipulation statt Aufklärung
Die Eskalation folgte, als Beatrix von Storch (AfD) kurz darauf bei Markus Lanz zu Gast war. Sie konfrontierte den Moderator direkt mit Günthers Aussagen. Was dann geschah, lässt selbst erfahrene Medienbeobachter fassungslos zurück. Markus Lanz, konfrontiert mit der Realität, wiegelte ab. Er behauptete sinngemäß, das habe Günther so nie gesagt oder gemeint. Es sei ein Missverständnis, ein Hörfehler.
Doch das Internet vergisst nicht. Videoclips der ursprünglichen Sendung kursierten längst und belegten Günthers Worte. Der Vorwurf, der nun im Raum steht und unter anderem vom Kommentator “Herr Winter” in seiner Analyse scharf formuliert wurde, wiegt schwer: Wurde in der Nachbereitung manipuliert? Kritiker werfen der Redaktion vor, Szenen so geschnitten oder dargestellt zu haben, dass der Moderator recht behält und die Kritikerin als Lügnerin dasteht. “Das ist schon geil, dass man die Eier hat, Teile von Sendungen, die öffentlich einsehbar sind, verfälscht in dieselbe Sendung danach reinzubringen”, so der beißende Kommentar zur Situation.
Es entsteht der Eindruck einer Wagenburgmentalität. Wenn die Realität nicht ins Narrativ passt, wird sie passend gemacht? Für viele Zuschauer bestätigt sich hier ein Verdacht, der schon lange gärt: Der Gebührenzahler finanziert nicht neutrale Berichterstattung, sondern politische Erziehung.
“Baron von Münchhausen” im ZDF?
Die Reaktionen auf diesen Umgang mit der Wahrheit sind vernichtend. In satirischen Analysen wird Markus Lanz bereits als “Baron von Münchhausen” tituliert – jemand, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, solange die Geschichte stimmt. Das “kreative Verhältnis zur Wahrheit”, wie es im Video genannt wird, scheint System zu haben.
Es geht hierbei nicht um Kleinigkeiten. Es geht um das Grundvertrauen in die mediale Instanz, die eigentlich die Aufgabe hätte, Macht zu kontrollieren, statt sie zu schützen. Wenn ein Moderator den Anwalt für einen Politiker spielt, der die Pressefreiheit angreift, und dabei selbst vor fragwürdigen Methoden nicht zurückschreckt, dann ist die rote Linie längst überschritten.

Der breitere Kontext: Ausgrenzung als Methode
Doch der Fall Lanz ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Video und die aktuelle Debatte ziehen Parallelen zu Vorgängen im Bundestag, die ein ähnliches Muster der Ausgrenzung zeigen. So wird von Ordnungsrufen berichtet, die verhängt wurden, weil Abgeordnete lediglich Fakten wiederholten, die der Mehrheit nicht passten. 2.000 Euro Strafe für das Aussprechen der Wahrheit? In einer “freien Volkskammer”, wie es sarkastisch heißt, sollte das Argument zählen, nicht die Macht des Sitzungsleiters.
Noch gravierender ist der Fall um Julia Klöckner und die Mitarbeiter von AfD-Abgeordneten. Berichten zufolge sollen Mitarbeiter entlassen oder der Zugang verwehrt worden sein, basierend auf Einstufungen des Verfassungsschutzes – einer Behörde, die dem Innenministerium untersteht und damit weisungsgebunden ist. Kritiker sehen darin einen Versuch, die Opposition nicht politisch, sondern strukturell und finanziell auszutrocknen. “Man versucht Stück für Stück, die AfD zu schwächen”, lautet das Fazit. Es ist ein Kampf mit ungleichen Bandagen, finanziert vom Steuerzahler.
Das Schweigen der “Anständigen”
Was an dieser ganzen Gemengelage am meisten beunruhigt, ist die Stille derer, die sonst immer “Haltung” fordern. Wo ist der Aufschrei der Journalistenverbände über Günthers Verbotsfantasien? Wo ist die Kritik der Rundfunkräte an Lanz’ Umgang mit Videobeweisen?

Das Schweigen ist dröhnend. Es scheint, als hätten sich Teile der politischen und medialen Elite darauf geeinigt, dass im “Kampf gegen Rechts” alle Mittel erlaubt sind – auch die der Lüge und der Manipulation. Doch diese Rechnung wird ohne den Bürger gemacht. Die Kommentare unter den Videos, die Diskussionen in den sozialen Netzwerken zeigen: Die Menschen merken, wenn etwas nicht stimmt. Sie lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen.
Die “Affäre Lanz” mag im Fernsehen vielleicht weggemoderiert werden, aber in den Köpfen der Zuschauer bleibt sie haften. Sie ist ein weiterer Riss im Fundament des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der immer schwerer zu kitten sein wird. Wenn Wahrheit zur Verhandlungsmasse wird, verliert am Ende nicht nur eine Sendung an Ansehen, sondern die Demokratie an Substanz.