Es war eine der schrecklichsten Tragödien der US-Marinegeschichte – und zugleich eine der grausamsten Begegnungen zwischen Mensch und Natur. Die Katastrophe der USS Indianapolis im Juli 1945 ist bis heute ein Synonym für Verzweiflung, Überlebenswillen und den Horror, den das Meer verbergen kann. Innerhalb von nur 12 Minuten verwandelte sich ein Routineeinsatz in ein tödliches Inferno, dem über 900 Matrosen zum Opfer fielen – viele von ihnen nicht durch Explosionen, sondern durch die Zähne hunderter Haie.

Die USS Indianapolis, ein schwerer Kreuzer der US-Marine, hatte kurz zuvor eine geheime Mission abgeschlossen: Sie transportierte die Bestandteile der Atombombe „Little Boy“, die wenige Wochen später über Hiroshima abgeworfen wurde. Auf dem Rückweg von der Pazifikinsel Tinian nach den Philippinen traf das Schiff in der Nacht vom 30. Juli 1945 ein japanisches U-Boot. Zwei Torpedos trafen das Kriegsschiff mitten in der Nacht – innerhalb von Minuten sank es.
Von den 1.196 Besatzungsmitgliedern überlebten etwa 900 den Untergang und trieben auf offener See – ohne Funkkontakt, ohne Rettungsboote, nur mit Schwimmwesten. Das Meer war warm, aber gnadenlos. Schon am ersten Tag begannen Erschöpfung, Dehydrierung und Halluzinationen. Doch das Schlimmste sollte erst beginnen: die Haie kamen.

Ozeanische Weißspitzenhaie, angezogen vom Blut und den Bewegungen der Männer, griffen in der Dunkelheit an. Über vier Tage hinweg wurden Hunderte von ihnen verschleppt, gebissen oder ertränkt. Zeitzeugen beschrieben den Geruch von Tod, Schreie in der Nacht und das Gefühl, dass der Ozean selbst zum Feind geworden war. „Es war die Hölle auf Erden – nur dass es kein Land gab“, erinnerte sich einer der Überlebenden später.
Erst am 4. August, mehr als vier Tage nach dem Untergang, entdeckte ein zufällig vorbeifliegender Pilot die Überlebenden im Wasser. Nur 316 Männer konnten lebend geborgen werden – weniger als ein Drittel der ursprünglichen Besatzung.

Die Tragödie der USS Indianapolis blieb lange Zeit ein tabuisiertes Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Erst Jahrzehnte später erhielt die Crew offizielle Anerkennung für ihren Einsatz. Der Kapitän, Charles McVay, wurde zunächst beschuldigt, das Unglück verschuldet zu haben – doch die US-Marine sprach ihn später posthum frei.
Heute erinnert die Geschichte der USS Indianapolis an die unvorstellbare Grausamkeit des Krieges – und daran, dass die Natur selbst im Angesicht menschlicher Konflikte ihren eigenen Schrecken entfesseln kann.