Ich weiß, wie verrückt das klingen mag – aber was ich in den dichten, nebligen Wäldern Oregons erlebt habe, hat mein Leben für immer verändert. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Es war kein Mythos, keine Sage, keine Fantasie – es war real. Und es begann alles an einem kühlen Septemberabend, tief in der Wildnis der Cascade Range, etwa 60 Kilometer nordöstlich von Bend.
Nach meiner Scheidung wollte ich allein sein, fern von Lärm, Menschen und Erinnerungen. Also machte ich mich auf zu einer einwöchigen Solo-Campingtour. Nur ich, mein Zelt und die unendliche Ruhe des Waldes. Die ersten zwei Nächte waren perfekt: der Duft von Kiefernharz, das Knistern des Feuers, die Sterne über mir wie Diamanten. Ich fühlte mich frei – bis zur dritten Nacht.

Gegen Mitternacht riss mich ein Geräusch aus dem Schlaf. Zuerst dachte ich, es sei der Wind. Doch dann hörte ich es deutlicher – Weinen. Kein Tierlaut, kein Heulen, kein Rufen eines Vogels. Es klang menschlich. Ein leises, schluchzendes Weinen, irgendwo zwischen den Bäumen. Zuerst fern, dann wieder näher, wie ein Kind, das die Richtung verloren hatte. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Ich wusste: Da draußen war jemand. Oder etwas.
Am nächsten Morgen nahm ich meine Kamera, folgte dem Geräusch in Richtung eines alten Wildpfades – und erstarrte. Vor mir, zwischen Farnen und umgestürzten Stämmen, stand eine Gestalt, halb verborgen im Schatten. Klein, zottelig, mit großen, dunklen Augen, die mich voller Angst ansahen. Es war kein Mensch. Aber auch kein Tier, das ich kannte.
Das Wesen war hungrig, zitterte und machte leise, jammernde Laute. Mein Instinkt schrie, davonzulaufen, aber irgendetwas in diesen Augen hielt mich fest. Ich reichte ihm ein Stück Trockenfleisch – und zu meiner völligen Fassungslosigkeit nahm es es mit zitternden Händen entgegen. Hände, die denen eines Menschen erschreckend ähnlich waren.

Ich verbrachte den ganzen Vormittag dort, sprach leise mit dem Wesen, beobachtete jede seiner Bewegungen. Es war jung, verletzlich – fast wie ein Kind, das seine Familie verloren hatte. Als es schließlich im Dickicht verschwand, blieb nur ein Gefühl zurück: Ich hatte etwas gesehen, das nicht existieren sollte.
Seitdem frage ich mich, was ich wirklich erlebt habe. War es ein junges Bigfoot, ein Sasquatch-Kind – oder etwas völlig anderes? Eines weiß ich sicher: Die Wälder von Oregon bergen Geheimnisse, die wir Menschen noch längst nicht verstehen. Und manche Begegnungen – so unglaublich sie auch klingen – sind einfach zu real, um erfunden zu sein.