Herta Oberheuser, geboren 1911 in Düsseldorf, gilt als eine der berüchtigtsten Ärztinnen des Nationalsozialismus. Unter dem Deckmantel der medizinischen Forschung führte sie während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Ravensbrück grausame Experimente durch, die die internationale Öffentlichkeit noch Jahrzehnte später schockierten.
Vom Medizinstudium zur Kriegsverbrechen
Oberheuser studierte Medizin in Deutschland und schloss ihr Studium 1937 ab. Schnell verstrickte sie sich in die NS-Ideologie und wurde Mitglied der NSDAP sowie des Reichsausschusses für Gesundheitspflege. Während des Krieges arbeitete sie als Ärztin im Frauenlager Ravensbrück, wo sie Zugang zu hunderten von weiblichen Häftlingen erhielt.

Grausame Experimente an Häftlingen
Die Experimente von Herta Oberheuser waren geprägt von brutaler Menschenverachtung. Zusammen mit anderen NS-Ärzten führte sie Operationen an lebenden Gefangenen durch – häufig ohne Anästhesie. Besonders berüchtigt waren ihre Tests zur Wundinfektion und Sepsis, bei denen Häftlinge absichtlich verletzt und mit Bakterien infiziert wurden. Die Opfer litten extreme Schmerzen, viele überlebten die Prozeduren nicht.

Berichte über Oberheusers Handlungen wurden nach Kriegsende durch Überlebende und Prozessakten dokumentiert. Zeugenaussagen beschrieben die Ärztin als kalt und gefühllos, die die Leiden ihrer Opfer nicht nur akzeptierte, sondern aktiv vorantrieb.
Der Nürnberger Ärzteprozess und Verurteilung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die NS-Ärzte vor dem Nürnberger Ärzteprozess angeklagt. Herta Oberheuser war eine der wenigen Frauen unter den Angeklagten. 1948 wurde sie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und zu 20 Jahren Haft verurteilt. 1952 wurde ihre Strafe reduziert, und 1958 wurde sie aus der Haft entlassen.

Nachwirkungen und Erinnerung
Die grausamen Taten von Oberheuser hinterließen tiefe Spuren in der Geschichte der Medizin und der Menschlichkeit. Sie gelten als mahnendes Beispiel für die ethischen Grenzen der Wissenschaft und die Gefahren ideologischer Einflussnahme auf medizinische Forschung. Historiker und Pädagogen weltweit nutzen den Fall Oberheuser, um über Menschenrechte, Ethik und Verantwortung in der Medizin aufzuklären.
Heute erinnern Gedenkstätten wie Ravensbrück Memorial an die Opfer der NS-Ärzte und mahnen, dass medizinisches Wissen niemals auf Kosten unschuldiger Menschen missbraucht werden darf.