Während des Zweiten Weltkriegs existieren unzählige Berichte über Leid, Gewalt und unmenschliche Entscheidungen. Doch einige Geschichten blieben jahrzehntelang verborgen, verdrängt oder bewusst verschwiegen. Eine davon betrifft französische Gefangene, die in deutschen Lagern oder besetzten Gebieten Kinder zur Welt brachten. Besonders erschütternd ist die Rolle einzelner deutscher Soldaten, deren Handlungen mit den Neugeborenen bis heute Schock und Fassungslosigkeit auslösen.
In den frühen 1940er-Jahren wurden tausende französische Frauen als Gefangene, Zwangsarbeiterinnen oder politische Internierte in Lager gebracht. Unter ihnen waren auch Schwangere oder Frauen, die infolge von Gewalt schwanger wurden. Die offiziellen Lagerakten erwähnten Geburten nur selten. Doch in persönlichen Tagebüchern, heimlich verfassten Briefen und späteren Zeugenaussagen taucht immer wieder dieselbe beängstigende Frage auf: Was geschah mit den Kindern?
Zeitzeugen berichten, dass Geburten meist unter katastrophalen Bedingungen stattfanden. Es fehlte an medizinischer Versorgung, Nahrung und hygienischen Mindeststandards. Wenn eine Frau Anzeichen einer Geburt zeigte, wurde sie oft isoliert. Ein ehemaliger Lagerarzt sagte Jahrzehnte später: „Man wollte keine Kinder. Sie galten als Problem, als Belastung für das System.“ Genau in diesem Moment trat häufig ein deutscher Soldat oder Wachposten in Erscheinung.

Mehrere Überlebende beschreiben denselben Ablauf. Kurz nach der Geburt erschien ein bestimmter Soldat, manchmal begleitet von einem Offizier. Die Mutter durfte das Kind oft nur wenige Minuten sehen. Dann wurde das Neugeborene weggebracht. Offiziell hieß es, das Kind werde medizinisch untersucht oder in eine andere Einrichtung gebracht. Doch viele Mütter sahen ihre Kinder nie wieder.
Ein besonders verstörendes Detail kommt aus den Aussagen einer ehemaligen französischen Gefangenen, die nach dem Krieg vor einer Untersuchungskommission sprach. Sie sagte: „Der Soldat nahm das Kind ohne ein Wort. Sein Gesicht war leer, fast routiniert. Als hätte er das schon hundertmal getan.“ Diese Aussage deckt sich mit anderen Berichten, die von einer erschreckenden Normalität solcher Vorgänge sprechen.
Historiker gehen heute davon aus, dass es keine einheitliche Praxis gab, sondern verschiedene Vorgehensweisen – abhängig vom Lager, vom Offizier und vom jeweiligen Soldaten. In einigen Fällen wurden Kinder in spezielle Heime gebracht, in anderen Fällen jedoch starben sie kurz darauf aufgrund von Vernachlässigung. Besonders brisant ist die Vermutung, dass einzelne Soldaten direkte Befehle hatten, die Existenz dieser Kinder zu „beenden“, um Spuren zu vermeiden.
Ein ehemaliger deutscher Sanitäter, der anonym bleiben wollte, gab in den 1970er-Jahren ein Interview. Darin sagte er: „Uns wurde gesagt, diese Kinder hätten keine Zukunft. Man sprach nicht von Töten, sondern von Notwendigkeit.“ Diese Wortwahl zeigt, wie Sprache genutzt wurde, um moralische Verantwortung zu verschleiern und grausame Entscheidungen zu rechtfertigen.

Besonders geheim gehalten wurde die Tatsache, dass einige dieser Neugeborenen aus Beziehungen zwischen deutschen Soldaten und französischen Frauen stammten. Solche Kinder passten nicht in das ideologische Weltbild der Nationalsozialisten. Ein Historiker erklärte: „Diese Kinder waren das Ergebnis von Widersprüchen im System. Und Systeme, die auf Ideologie beruhen, dulden keine Widersprüche.“
Nicht alle Soldaten handelten jedoch gleich. Es gibt vereinzelte Berichte von deutschen Wachmännern, die versuchten zu helfen. Eine Überlebende erzählte, ein junger Soldat habe ihr heimlich zusätzliche Nahrung gebracht und geflüstert: „Ich kann nicht viel tun, aber ich sehe dich.“ Solche Aussagen zeigen, dass selbst innerhalb eines brutalen Systems individuelle Menschlichkeit existierte – wenn auch selten.
Die meisten Mütter lebten jahrzehntelang mit der Ungewissheit. Viele wussten nicht, ob ihre Kinder tot waren oder irgendwo lebten. Nach dem Krieg suchten einige verzweifelt nach Spuren. Archive waren unvollständig oder absichtlich bereinigt. Ein französischer Historiker sagte: „Das Verschwinden dieser Kinder ist eines der größten stillen Verbrechen des Krieges.“
Erst in den letzten Jahren haben neue Archivfunde und DNA-Datenbanken Bewegung in die Forschung gebracht. In Einzelfällen konnten inzwischen Kinder oder deren Nachkommen identifiziert werden. Diese Enthüllungen sind emotional extrem belastend. Ein Mann, der erfuhr, dass er in einem Lager geboren wurde, sagte: „Mein ganzes Leben begann mit einem Geheimnis, das ich nicht kannte.“
Die Rolle des deutschen Soldaten bleibt dabei zentral. Viele Namen sind unbekannt, viele Täter nie zur Rechenschaft gezogen worden. Juristisch wurden diese Fälle oft als nicht beweisbar eingestuft. Moralisch jedoch werfen sie einen dunklen Schatten. Eine Juristin kommentierte: „Dass etwas nicht dokumentiert wurde, heißt nicht, dass es nicht geschehen ist.“

Innerhalb Deutschlands wurde lange kaum über dieses Thema gesprochen. Erst durch internationale Forschung und französische Zeugnisse kam Bewegung in die öffentliche Debatte. Heute gilt das Schicksal dieser Neugeborenen als Symbol für die unsichtbaren Opfer des Krieges – jene, die nie eine Stimme hatten und deren Existenz ausgelöscht werden sollte.
Ein besonders erschütterndes Zitat stammt aus dem Tagebuch einer französischen Frau, das erst 2003 veröffentlicht wurde. Darin schrieb sie nach der Geburt: „Er hat mein Kind genommen. Nicht mit Hass, nicht mit Gewalt. Mit Gleichgültigkeit. Und genau das ist das Schlimmste.“ Diese Worte gelten heute als eines der eindringlichsten Zeugnisse jener Zeit.
Die historische Aufarbeitung steht noch immer am Anfang. Forscher fordern offenen Zugang zu Militär- und Lagerarchiven in mehreren Ländern. Sie hoffen, weitere Antworten zu finden – für die Familien, für die Geschichte und für das kollektive Gedächtnis Europas. Denn nur durch Wahrheit, so sagen sie, könne echte Erinnerung entstehen.
Diese Geschichte ist schwer zu ertragen, aber notwendig zu erzählen. Sie zeigt, wie Ideologie, Gehorsam und Entmenschlichung dazu führen können, dass selbst Neugeborene als Problem betrachtet werden. Und sie erinnert daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht – eine Mutter, ein Kind, ein Leben, das hätte sein können.