Der Zweite Weltkrieg ist ein düsteres Kapitel der Geschichte, das von den Schrecken der Kämpfe, der Besatzung und den Widerstandsbewegungen geprägt ist. Doch es gibt Aspekte dieses Krieges, die nie die Aufmerksamkeit erhalten haben, die sie verdienen – insbesondere das, was vielen Frauen in den besetzten Gebieten widerfuhr.
Eine dieser ungesprochenen Geschichten ist die von Bernadette Martin, einer Frau, die als junge Jugendliche in den Wirren des Krieges in Frankreich ein unsagbares Leid erlebte.
Bernadette war gerade einmal zehn Jahre alt, als ein deutscher Offizier in das Haus ihrer Familie kam und sie auswählte, um für administrative Aufgaben in der Region Lyon zu arbeiten.
Ihre Familie wusste, dass dies kein gewöhnlicher Befehl war – es war eine grausame Realität, die die junge Bernadette in eine unsagbare Hölle führte. Ihre Mutter drückte ihre Hand mit solcher Kraft, dass sie die Knochen spürte, und ihr Vater konnte es nicht ertragen, ihr in die Augen zu schauen.
Der deutsche Offizier, der sie auswählte, verkündete, dass sie nun als „Ressource“ für das Nazi-Regime dienen würde.
Es war März, und Frankreich war seit drei Jahren unter deutscher Besatzung. Der Dritte Reich kannte keine Gnade und keine Bitte – es nahm, was es wollte. Für die jungen Frauen, die wie Bernadette in die Kriegsmaschinerie eingespannt wurden, gab es keine Wahl.
Die Besatzungsmacht hatte längst das Recht, über Leben und Tod zu bestimmen, und das Schicksal dieser Frauen wurde von den Nazi-Beamten entworfen, ohne Rücksicht auf das menschliche Leben.
Bernadette berichtet von ihrer eigenen Erfahrung, die weit über das hinausging, was viele in den offiziellen Geschichtsbüchern über den Zweiten Weltkrieg lesen. Es geht nicht nur um die großen Schlachten oder den Widerstand, sondern auch um das unsagbare Leid, das in den oberen Etagen beschlagnahmter Hotels stattfand.
In den nummerierten Zimmern der Hotels wurden junge Frauen wie sie selbst zu einem Teil der deutschen Kriegsmaschinerie. Sie wurden nicht in Konzentrationslager geschickt, mussten nicht den gelben Stern tragen oder in den Gaskammern sterben, aber was sie erlebten, war keineswegs weniger grausam.

Bernadette beschreibt, wie sie und andere junge Mädchen von den deutschen Soldaten gezwungen wurden, als „Ressourcen“ zu dienen, um das „Wohl“ der Soldaten zu sichern. Der Begriff „Ressource“ wurde verwendet, um das, was ihnen widerfuhr, zu entmenschlichen.
Sie waren keine Opfer, wie wir sie uns vorstellen würden, sondern einfache Objekte, die dazu verwendet wurden, die moralische und körperliche Erschöpfung der Soldaten zu lindern. Es war eine grausame Praxis, die von den Nazis als „Ehre des Eroberers“ betrachtet wurde.
In den Augen des deutschen Hauptmanns Klaus Richter war dies kein Verbrechen, sondern ein Recht, das den Soldaten zustand.
Klaus Richter, ein 45-jähriger verheirateter Mann aus Bayern mit drei Kindern, betrachtete sich selbst nicht als Monster. Er sah sich als einen, der das Recht auf die „sanfte Beruhigung“ des Krieges ausübte. Jüngere Frauen, die „zart“ und „weich“ waren, wurden als die ideale „Ressource“ betrachtet.
Richter selbst erklärte, dass die „weiche Haut“ der jungen Mädchen den Kriegsschmerz mildern konnte, was in seinen Augen eine Art Dienst an der Nation war.
Bernadette erinnert sich genau an die Gräueltaten, die sie und die anderen Frauen in den Zimmern des Grand Etoile Hotels erlebten. Diese Räume, die für die Soldaten und die deutschen Offiziellen reserviert waren, wurden zu Orten des Schreckens, an denen junge Frauen ohne Hoffnung auf Entkommen missbraucht und entwürdigt wurden.
Es war keine Befreiung, als der Krieg zu Ende ging. Die physischen Narben mögen irgendwann geheilt sein, aber der seelische Schmerz und die Erinnerung an das, was geschehen war, blieben für immer.
Die Tragödie von Bernadette Martin ist keine Einzelgeschichte, sondern ein erschreckendes Beispiel für das, was vielen Frauen in den von den Nazis besetzten Gebieten widerfuhr. Was in den oberen Etagen der Hotels und in den geheimen Räumen der Besatzer geschah, wurde lange Zeit nicht erzählt.
Die offizielle Geschichte des Krieges spricht von Siegen, von Heldentum und Widerstand, aber sie verschweigt das unsägliche Leid, das Millionen von Frauen während dieser Zeit erleiden mussten.

Bernadette trägt diese Last nun seit über 80 Jahren mit sich. Sie hat geschwiegen, aus Angst, niemand würde ihr glauben, aus Scham und auch aus dem Wissen, dass diejenigen, die solche Gräueltaten begangen haben, nie wirklich bestraft wurden.
Doch nun, als 80-Jährige, hat sie sich entschieden, ihre Geschichte zu erzählen, um die Wahrheit über das, was ihr und vielen anderen Frauen widerfahren ist, ans Licht zu bringen.
Sie will, dass die Welt versteht, dass der Krieg nicht nur auf den Schlachtfeldern ausgetragen wurde, sondern auch in den privaten, verborgenen Räumen der Besatzer.
In vielen Fällen wurden diese Frauen niemals als Opfer anerkannt, weil die Gesellschaft das, was ihnen widerfuhr, nicht als Verbrechen betrachtete. Sie wurden nie als Kriegsgefangene oder als Opfer von sexueller Gewalt gesehen, sondern lediglich als „Ressourcen“, die der deutschen Kriegsmaschinerie dienten.
Doch ihre Geschichten, wie die von Bernadette, verdienen es, gehört zu werden. Sie sind genauso Teil der Geschichte des Zweiten Weltkriegs wie die großen Schlachten und die Widerstandskämpfer.
Bernadettes Entscheidung, ihre Geschichte zu teilen, ist ein Schritt in Richtung Gerechtigkeit und Anerkennung für die Millionen von Frauen, die im Schatten des Krieges gelitten haben. Es ist ein Aufruf an die Welt, die Geschichte der Opfer dieser grausamen Taten anzuerkennen und sicherzustellen, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen.
Die Frauen, die damals in den geheimen Zimmern der Besatzer gefangen waren, verdienen es, dass ihre Stimmen gehört werden – und dass ihre Geschichten nicht länger im Dunkeln bleiben.