
In der MotoGP hat Fabio Quartararo seine Frustration über Yamahas neues V4-Motorprojekt zum Ausdruck gebracht. Er behauptet, der neueste Prototyp biete keine Lösung, sondern zeige drei gravierende Leistungsmängel. Diese Bedenken haben die Spannungen innerhalb der Yamaha-Gruppe verschärft und den Hersteller zu einer sogenannten „Krisensitzung“ gezwungen. Hier ist eine Zusammenfassung der Probleme – aus Quartararos Sicht – und der Lösungen, die Yamaha umgehend angehen muss.
Quartararo gab offen zu, dass sich das Motorrad nach einer Fahrt mit Yamahas neuem V4-Motor M1 in vielen wichtigen Punkten „schlechter anfühlt“ als die aktuelle Version mit Reihenvierzylinder. Während Yamaha die Entwicklung des V4 als notwendigen Schritt anpries (da viele Konkurrenzhersteller bereits V4-Motoren verwenden und Yamaha glaubt, dass der Reihenvierzylinder seine Entwicklungsgrenze erreicht hat), sagt Quartararo, dass der neue Motor alles andere als ein Allheilmittel sei.
Hier sind die drei Hauptmängel, die er festgestellt hat:

1. Schwaches Bremsen, insbesondere am Hinterrad
Quartararo sieht eines der Hauptprobleme der aktuellen M1 (Reihenvierzylinder) in der mangelnden Fähigkeit, die Hinterradbremse effektiv einzusetzen. Er behauptet, dass V4-Konkurrenten im Gruppenrennen stärker und später bremsen können, da ihre Einstellungen es ihnen ermöglichen, Vorder- und Hinterradbremse synergetisch einzusetzen. Die aktuelle Yamaha hingegen verlässt sich zu sehr auf die Vorderradbremse, was Quartararo dazu zwingt, viel früher zu bremsen.
Er glaubt, dass der V4-Motor dieses Ungleichgewicht durch eine Änderung der Gewichtsverteilung und der Steuerung der Verzögerungskraft korrigieren und so die Bremsleistung der Hinterräder verbessern könnte.
2. Mangelnde Haftung, insbesondere am Hinterreifen, beim Bremsen und Einfahren in Kurven
Ein weiteres großes Problem betrifft den Grip, insbesondere am Hinterrad, beim Bremsen und beim Einfahren in Kurven. Obwohl das Motorrad in bestimmten Abschnitten oder auf bestimmten Strecken (vor allem auf den glattesten) recht gut zu handhaben ist, erklärt Quartararo, dass diese Grip-Probleme eklatant werden, sobald er in dichtem Verkehr oder einer Reihe enger Kurven fährt. Das Hinterrad dreht durch, das Motorrad verliert an Stabilität und die Kontrolle ist beeinträchtigt.
Er sieht darin eine kritische Schwäche, die die Rennleistung beeinträchtigt. Auf einer Runde kann man das erreichen, aber dieses Niveau im Rennen zu halten, ist eine andere Geschichte.
3. Unzureichende Verbesserung der Aerodynamik und Leistung im Nahkampf
Das dritte Problem besteht darin, dass der V4 zwar potenzielle Vorteile in Bezug auf Leistung, Drehmoment und letztendlich Aerodynamik bietet, diese sich jedoch noch nicht in einer verbesserten Leistung unter Rennstreckenbedingungen niederschlagen. Im Qualifying und bei Einzelrennen sind einige Verbesserungen sichtbar, aber im Rennen, wo Bremszonen, Kurvenausgänge, Luftwiderstand und aerodynamische Belastungen wichtig sind, bleibt die Leistung des Motorrads unzureichend.

Quartararo weist darauf hin, dass Leistung und Aerodynamik nutzlos sind, wenn das Motorrad nicht gerade bleibt oder der Fahrer beim Abbremsen oder Einfahren in Kurven mit mangelndem Grip kompensieren muss. Er fügt hinzu, dass Konkurrenten mit V4-Motoren bereits von stabilerem Bremsen, potenziell besserem Grip an der Hinterachse und besserer aerodynamischer Effizienz unter realen Rennbedingungen profitieren.
Angesichts dieser Probleme drängt Quartararo Yamaha, die Entwicklung des V4 zu beschleunigen, allerdings erst, wenn die kritischen Schwächen des Reihenvierzylinders klar überwunden sind. Er besteht außerdem darauf, dass in den genannten Bereichen umgehend Korrekturen am aktuellen M1 (Reihenvierzylinder) vorgenommen werden.
Yamaha wiederum hat Berichten zufolge eine dringende interne Sitzung einberufen, um diese Kritikpunkte zu klären. Das Team muss nun prüfen, ob der V4-Prototyp schnell genug verfeinert werden kann, um nicht nur theoretische, sondern auch greifbare Verbesserungen für das Rennwochenende zu liefern. Andernfalls riskiert das Team, das Vertrauen seines Hauptfahrers zu verlieren, die Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden und möglicherweise sogar den Vertragsdruck zu erhöhen.
In Zukunft sollten MotoGP-Beobachter auf Folgendes achten:
Welche Verbesserungen Yamaha in zukünftigen Tests hinsichtlich der Hinterradhaftung und der Bremsbalance vornehmen kann;
Ist Quartararo mit den Verbesserungen zufrieden oder äußert er weiterhin seine Bedenken?
Wird Yamaha die Markteinführung des V4 verzögern oder anpassen, wenn seine Vorteile unter Rennbedingungen marginal bleiben?
Es besteht die Möglichkeit, dass auch andere technische Aspekte (Fahrwerk, Aufhängung, Aerodynamik) überarbeitet werden müssen, um die Vorteile des neuen Motordesigns nutzen zu können.